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Schon seit rund 200 Jahren ist bekannt, dass einst südlich des Dorfes Dinglingen ein reges „römisches“ Leben herrschte. Gewannnamen wie „Mauerfeld“ verweisen darauf, dass hier bei Pflug- und Bauarbeiten immer wieder „antike Alterthümer“ an die Oberfläche kamen und vom Leben in der Vorzeit zeugten. Heute freilich wissen wir viel mehr. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, sich unseren Vorfahren einmal auf eine ganz neue und sehr anschauliche Art zu nähern. Hierzu soll das „Streifenhaus“ und begleitend dazu ein „römischer Garten“ dienen. Doch werfen wir zunächst noch einmal einen Blick zurück . . .

Die Ortenau am Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus: Dort, wo die Römerstraße durch das Rheintal (heute die B3) die Schutter überquerte und zugleich ein West-Ost-Weg die Abkürzung ins Kinzigtal über den Schönberg ermöglichte, entstand eine kleine und wohl auch rein zivile Niederlassung. Sie wuchs rasch und wurde bald zu einem beachtlichen Dorf, einem sogenannten vicus. Er zog sich von der Schutter im Norden weit nach Süden und beherbergte schätzungsweise 1200 bis 1500 Menschen. Diese Menschen – keine „Römer“ im engeren Sinne, sondern eine Mischbevölkerung aus Kelten und zahlreichen Zugezogenen aus allen Teilen des Imperiums – lebten von der Landwirtschaft, dem Handwerk und dem Handel. Wann sie ihr Dorf wieder aufgaben und sich auf die andere Seite des Rheins zurückzogen, ist nicht bekannt. Es dürfte irgendwann zwischen 200 und 260 nach Christus geschehen sein.

Als beinahe 2000 Jahre später die Lahrer planten, im Westen der Stadt und damit teilweise auf dem Gelände des ehemaligen vicus eine Landesgartenschau (LGS) abzuhalten, wurde schnell klar, dass „die Römer“ hierbei eine prominente Rolle spielen sollten. Dr. Niklot Krohn und Prof. Alexander Heising entwickelten die Idee, ein sog. Streifenhaus zu rekonstruieren und in Form eines Freilichtmuseums auch nach der LGS der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein Streifenhaus ist eine typische Wohnform der Zivilbevölkerung in den gallorömischen Nordwestprovinzen. Es beinhaltet sowohl Gewerberäume als auch Wohn- und Schlafräume.

Die Rekonstruktion in Lahr soll möglichst originalgetreu erfolgen. Zu diesem Zweck werten Archäologen im Rahmen eines groß angelegten Forschungsprogramms seit 2012 die umfangreiche Grabung der Jahre 1991 bis 2001 aus und suchen nach Anhaltspunkten für die Detailkonstruktion des Gebäudes. Wenn es fertiggestellt ist, handelt es sich um eine der wenigen Nachbauversuche dieses Haustyps, von dem neue Impulse für die Wissenschaft erwartet werden.

Begleitet wird das Streifenhaus von einem paläobotanischen „Römergarten“. Dieser Garten basiert auf den zahlreichen botanischen Resten, die man in den Brunnen des vicus gefunden hat. Antiker Getreide- und Gemüseanbau werden hier ebenso demonstriert wie Techniken des provinzialrömischen Landbaus.

Die gesamte Anlage soll sich ständig in der Entwicklung befinden. Der enge Kontakt mit der Universität in Freiburg sowie dem Landesdenkmalamt stellt sicher, dass regelmäßig Praktika, Seminare und Vorträge angeboten werden. Damit aber die zahlreichen Impulse auch umgesetzt werden können und auch eine „lebendige Bespielung“ des Freilichtmuseums erreicht werden kann, ist die Mitarbeit eines Freundeskreises unerläßlich.

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Projekt hat oder sich für eine Mitarbeit interessiert, kann sich gerne an Thorsten Mietzner (Stadtarchiv Lahr, Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder Klaus-Peter Blawert (Freundeskreis LGS, Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) wenden.