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Langsam vom See her kommend, seinen Transportwagen hinter sich her ziehend, schlendert er über die Wiese an den noch jungen Bäumen entlang, bis zu unserem Treffpunkt an den hinteren alten Obstbäumen, deren Äste schwer von den reifenden Äpfeln herunter gezogen werden. Der Hitze wegen nur in kurzem Hemd und Sommerhosen, aber den unvermeidlichen Hut trägt er auf dem Kopf, mal gegen die Hitze, mal gegen die Kälte im Winter.

Sein freundliches Hallo wird begleitet von einem breiten Lächeln und strahlenden warmen Augen. Heute will er uns das Veredeln von Obstbäumen zeigen, eine der anspruchsvollen gärtnerischen Tätigkeiten. Hans-Jörg Haas vom Landratsamt Ortenaukreis hat uns den Freundeskreis Landesgartenschau Lahr bereits vor drei Jahren an seine lenkende Hand genommen. Seither haben wir viel über das Schneiden und Pflegen der Obstbäume erfahren. Immer begleitet von einem Spaß auf den Lippen, und nur in breitestem alemannisch führt er uns an die Aufgabe heran, die wir übernommen haben, die Pflege von über 100 Obstbäumen doch auch einmal alleine durchführen zu können.

„Lasst uns hit im Schatte sitze, s’isch eifach zu heiß hit“ und damit stellen wir die Tischgarnituren unter großen alten Bäumen auf, damit wir nicht vor Hitze zerfließen, aber der Lärm der vorbeiführenden Bundestrasse muss in Kauf genommen werden.

Eigentlich wollten wir einen gelben Bellefleure Apfelbaum veredeln, weil er einfach kein gutes Obst trägt, aber wir haben uns umentschieden, steht der gelbe Bellefleure doch auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Also nehmen wir einen der unbedenklicheren Apfelbäume namens Jakob-Lebel. Davon haben wir reichlich auf der Wiese. Wir werden den Jakob-Lebel mit einem Nägeleapfel aufpfropfen und damit den Baum verändern.

Aus einer Kühltasche holt Hans Jörg Haas vorsichtig einzelne Reisige des Nägeleapfels heraus, die er am vorherigen Tag extra besorgt hat, eingewickelt in feuchte Tücher, damit sie frisch bleiben. Vorsichtig packt er seine persönlichen Okkuliermesser aus und erzählt stolz von seinem Großvater, ebenfalls Gärtner, der bereits mit den gleichen Messern gearbeitet hat. Dazu legt er verschiedenste Schleifsteine , auch diese aus der großväterlichen Erbmasse. Man darf mit Okkuliermessern ausschließlich Zweige schneiden und sonst nichts, sonst verlieren Sie an Schärfe, erfahren wir. Inzwischen sind etwa 35 Wissbegierige eingetroffen, die ebenfalls das Veredeln von Obstbäumen erleben wollen. Und so zeigt Hans Jörg Haas sein Können erst mal im Kleinen im Schatten der Bäume und beginnt ein Reisig mit dem Messer so anzuschneiden, dass eine lange Schnittstelle entsteht. „Halt, jetzt nicht anfassen, die Schnittfläche muss steril bleiben. Der kommt jetzt an den zu veredelnden Baum und muss anwachsen“. Vorsorglich haben wir vom Freundeskreis den Verbandskasten aus dem Auto griffbereit in der Nähe deponiert, man weiß ja nie. Aber Hans Jörg Haas weiß was er tut und schneidet mit seinen scharfen Messern Taschen in die Rinde eines weiteren Zweiges. „ Wen man Krach mit dem Nachbarn hat , sollte man nicht gerade veredeln, da braucht es Ruhe dazu“., und fügt den angeschnittenen Zweig in die vorgefertigte Tasche ein, Schnittfläche zum Ast. Nun noch mit einem Gummi fixieren und fertig. So einfach oder auch nicht?

Bevor wir an das Veredeln des tatsächlichen Baumes gehen, stärken wir uns mit Apfelsaftschorle, Bauernbrot , Quark mit Apfelgelee aus eigener Ernte.

Dann aber geht es los. Hans Jörg Haas köpft zuerst den Haupttrieb unseres Jabok-Lebel um nahezu zwei Meter bis runter zu den Gerüstästen. Uns steht das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, trug dieser Baum doch bereits etliche Äpfel. An den Gerüstästen, auf einer hohen Leiter stehend, und von den zuschauenden bis auf die Leiter verfolgt, exerziert Hans-Jörg Haas dann das bereits im Kleinen gesehene und fügt angeschnittene Zweige des Nägeleapfels in eingeschnittene Taschen des Jakob-Lebels ein. Vorsorglich immer gleich mehrere, falls einer nicht anwächst. Zurück bleiben einige Fruchtäste des Jakob-Lebel, die entfernen wir erst im kommenden Jahr. Nun noch die neuen Äste fixieren. Mit langen Bändern umwickelt Haas die Veredelungsstelle. Damit aber nicht genug. Baumwachs muss her um die alten und neuen Astteile miteinander zu verkleben. „ Aber uffpasse, damit vertruhlt man sich die die Kleider, das klebt elendiglich“.

Am Mittwoch zeigt er uns ein zweites Mal wie das geht mit dem Veredeln. Wers auch sehen will kommt um 17:00 h einfach dazu.